Trinkwasserhygiene in Mehrfamilienhäusern: Pflichten und Massnahmen

In der Schweiz geniessen wir eines der besten Trinkwassersysteme der Welt. Doch die Qualität des Wassers an der Eintrittsstelle ins Gebäude (Hausanschluss) garantiert keine Keimfreiheit am Entnahmeort – dem Wasserhahn in der Wohnung. Besonders in Mehrfamilienhäusern stellen komplexe Installationssys

In der Schweiz geniessen wir eines der besten Trinkwassersysteme der Welt. Doch die Qualität des Wassers an der Eintrittsstelle ins Gebäude (Hausanschluss) garantiert keine Keimfreiheit am Entnahmeort – dem Wasserhahn in der Wohnung. Besonders in Mehrfamilienhäusern stellen komplexe Installationssysteme, Stagnationsphasen und falsche Temperatureinstellungen erhebliche Risiken für die Trinkwasserhygiene dar. Als Gebäudeeigentümer oder Facility Manager tragen Sie die Verantwortung dafür, dass die Gesundheit der Bewohner nicht durch kontaminiertes Trinkwasser gefährdet wird. Dieser Fachartikel be

leuchtet die gesetzlichen Grundlagen, die technischen Anforderungen und die notwendigen Massnahmen zur Sicherstellung einer einwandfreien Wasserqualität. Die rechtliche Ausgangslage in der Schweiz Die Trinkwasserhygiene ist in der Schweiz streng reglementiert. Wer Wasser über eine Verteilnetz Installation an Dritte abgibt (z. B. Vermieter an Mieter), gilt im Sinne des Lebensmittelgesetzes als Wasserversorger für die Hausinstallation. Gesetzliche Grundlagen Lebensmittelgesetz (LMG): Es bildet das Fundament. Trinkwasser wird als Lebensmittel eingestuft und muss sicher sein. Verordnung über Trink

wasser sowie Wasser in öffentlich zugänglichen Bädern und Duschanlagen (TBDV): Hier sind die mikrobiologischen und chemischen Grenzwerte sowie die Untersuchungspflichten definiert. SVGW Richtlinien (W3): Der Schweizerische Verein des Gas und Wasserfaches (SVGW) gibt mit der Richtlinie W3 den "Stand der Technik" vor. Diese ist für Planer und Installateure bindend. Die Verantwortung für die Trinkwasserqualität geht am Hausanschluss vom Wasserversorger (Gemeinde/Kanton) auf den Hauseigentümer über. Ab diesem Punkt müssen die internen Leitungen so betrieben werden, dass keine Vermehrung von Krankh

eitserregern stattfindet. Die grössten Gefahren: Legionellen und Stagnation Die grösste mikrobiologische Bedrohung in Mehrfamilienhäusern sind Legionellen . Diese Bakterien kommen natürlich im Wasser vor, können sich aber in warmem, stehendem Wasser (Stagnation) explosionsartig vermehren. Werden sie beim Duschen über Aerosole eingeatmet, können sie die schwere Legionärskrankheit (eine Form der Lungenentzündung) auslösen. Optimale Bedingungen für Bakterien: 1. Temperaturen zwischen 25 °C und 45 °C: In diesem Bereich vermehren sich Legionellen ideal. 2. Stagnation: Wasser, das länger als 72 Stun